der berliner journalist philipp banse hat vier hoch interessante interviews mit prominenten bloggern geführt. ein spannender einblick in die schöne neue medienwelt.
weitere interviews mit sascha lobo, stefan niggemeier und johnny häusler gibts hier.
4. Dezember 2009
bloggerinterviews mit beckedahl, lobo, niggemeier, häusler
3. Dezember 2009
gefakter professor/nzz-korrespondent im club bei sf.tv
ich habe mich am dienstag sehr gewundert, den höchst kruden "orientalisten" heinz gstrein zum wiederholten mal als talkshowgast im club bei sf.tv zu sehen. der mann erzählt jeweils furchtbar schräges zeug und gibt ganz unverblühmt den intellektuell abgeklärten islamophobiker:
«Das Minarett ist in erster Linie ein Zeichen für die Unmenschlichkeit in der muslimischen Welt – genauso wie Hakenkreuze für die KZ und Hammer und Sichel für den Gulag.»
vorgestellt wurde der scharfmacher jeweils als ehemaliger nzz-nahostkorrespondent und professor an der universität wien.
jetzt lese ich etwas konsterniert, dass der typ weder nzz-korrespondent war noch professor in wien. sowohl die uni wien wie nzz chefredaktor spillmann distanzieren sich dezidiert von gstrein und seinen aussagen.
aber es kommt noch dicker:
«Wir haben Herrn Gstrein als Referenten des Initiativkomitees eingeladen, nicht als Professor. Vielleicht wären in diesem besonderen Fall jedoch zusätzliche Recherchen angebracht gewesen», sagt die Leiterin Christine Maier.
mit anderen worten: nicht nur das initiativkomitee hat einen gefakten professor auf tour geschickt, sondern sf.tv hat ihn auch noch ungeprüft adoptiert.
da muss man doch gleich dreimal leer schlucken.
+ + + + +
update: es kommt noch peinlicher für den schlafsaal im leutschenbach: die baz hat den ollen gstrein schon am 28.11.09 als hochstapler enttarnt. trotzdem war es möglich, dass er drei tage später im club auftrat. aber offensichtlich lesen die sf-schurnis die basler zeitung nicht. man fragt sich, ob sie überhaupt etwas lesen über die scharfmacher, die sie in der heikelsten politdiskussion ever mehrmals auftreten lassen.
man fragt sich auch, warum die medien diesen politischen hochstapler erst jetzt enttarnen und ihn monatelang durch die schweiz touren lassen, ohne dass mal jemand in wien oder bei der nzz nachfragt und seine reputation überprüft.
und: dass sich einer so lange in so exponierter weise am rechten rand als nzz-korrespondent ausgeben kann, ohne dass die nzz das merkt, ist auch kaum zu fassen.
schlampiger gehts nun wirklich nicht mehr.
24. November 2009
sf.tv: berlusconisierung im leutschenbach

jetzt hat sie also gewonnen, die frau jordi.
interessant dabei ist die hemmungslosigkeit, mit der sf.tv dieses unsägliche stück showbiz inszeniert hat:
knapp zwei dutzend artisten dürfen sich mit je einem song live in der sendung vorstellen. göla kam nicht und wurde bestraft, indem man seinen filmbeitrag noch vor dem ende kappte. frau jordi durfte nicht nur singen, sie durfte auch in der talkrunde mit kilchsperger und beni national teilnehmen (in allen sendungen). zum schluss durfte sie als einzige ein zweites mal singen. den einwand von göla und polo hofer, frau jordi werde übervorteilt, tat beni mit "kleinlich" ab und sagte noch: "italien hat berlusconi, wir haben jordi". er merkte nicht, wie wahr dieser kalauer tatsächlich ist.
dieser vorgang, diese wahl ist ein hohn. das sofakonzept mit jordi hat tatsächlich nichts mit einem fairen voting und viel mit einer berlusconisierung der denke im hause leutschenbach zu tun. vor 10 jahren wäre eine so offensichtlich getürkte aufstellung noch nicht möglich gewesen, heute scheinen bei sf.tv zunehmend jegliche ethischen bedenken an die wand gefahren zu sein. wie bei den bankern.
die einzigen glaubwürdigen artisten in diesem billigen affenzirkus waren übrigens gölä und züri west. göla liess mitteilen, er sei lieber mit seiner familie zusammen als an diesem anlass, züri west meldeten sich ins ausland ab (und wurden dann am yb match gesichtet ;-). alle anderen plasticpopper machten sich freiwillig zum partyneger.
dies ist nur das neueste beispiel von sf.tv, bei dem man sich einmal mehr fragt: ist es wirklich die aufgabe eines öffentlich rechtlichen senders, die zuschauer auf diese bedenkliche weise zu unterhalten? wohl kaum.
gleicht man diesen vorgang mit dem leitbild der srg ab, wird die schere von sein und schein erst richtig deutlich. dort werden die werte des unternehmens in 5 leitsätze gepackt: glaubwürdigkeit, unabhängigkeit, vielfalt, kreativität und fairness. nichts davon war im fall jordi spürbar, im gegenteil. das format, der moderator, das sofa – alles unglaubwürdig, einfältig, unkreativ, inkompetent und erst noch offensichtlich unfair.
wir brauchen ein solches staatsfernsehen nicht. es ist nicht aufgabe des staates, fernsehformate zu produzieren, die auf dem mist der unterhaltungsindustrie gewachsen sind, auf so tiefem niveau daherkommen und den letzten dreck als unterhaltung anmalen. es reicht, wenn das die privaten tun.
sf.tv inszeniert und hypt ein startum, das für den sozialen zusammenhalt und die entwicklung der jugend alles andere als förderlich ist. in diese kategorie gehört neben der jordi show nicht nur das unsägliche format musicstar, sondern auch peinlichkeiten wie glanz & gloria, grand prix der volksmusik oder die miss schweiz wahl. alles formate, die nichts anderes tun als dem cervelat-showbiz zudienen und ein bildungsfernes publikum noch träger macht, als es eh schon ist.
liesse man all diese wischiwaschi-cervelatpromis weg, könnte man das ganze sf.tv auf die hälfte runterfahren und einen coolen informations-, bildungs- und kultursender daraus machen.
ich weiss, das ist pures wunschdenken. zu radikal. wobei: es sind an allen ecken und enden dieser gesellschaft unkonventionelle lösungen gefragt. anders ist die tsunamihafte weltproblemliste nicht in den griff zu kriegen. wenn überhaupt.
übrigens: berlusconi ist soeben vom italienischen rolling stone zum rockstar des jahres gekürt worden. frau jordi, so ist zu vernehmen, hat dem cavaliere per sms gratuliert.
ts...
22. November 2009
schweinebutton aka armbinde

schweingrippe auf allen kanälen. grässlich.
und jetzt noch dieser button* aka armbinde. total daneben.
wo soll das noch hinführen?
* herausgegeben vom kinderspital zürich, bild: ausriss NZZaS
21. November 2009
wie die netzwerkkultur die gesellschaft verändert
ein sehr interessanter und erhellender vortrag (35') von peter kruse*. für netzbewohner und solche, die es immer noch nicht wahrhaben wollen: es bleibt nichts, wie es war.
Lpr Forum Medienzukunft
* Peter Kruse ist ein deutscher Psychologe mit dem Schwerpunkt Komplexitätsverarbeitung in intelligenten Netzwerken sowie Leiter des Methoden- und Beratungsunternehmens nextpractice in Bremen. Kruse lehrt als Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen. Im Rahmen seiner interdisziplinären Tätigkeit widmet er sich vor allem der Nutzung von kollektiver Intelligenz zur Förderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse.
via leander wattig
9. November 2009
die eichborn fliegen
wir hattens ja hier kürzlich zwei mal von fliegen. und von anderen tieren als werbeflitzer.
gut gemacht, eichborn.
5. November 2009
katholischer medienpreis für andré marty

bloggerkollege andré marty erhält den katholischen medienpreis 2009. nicht explizit für sein blog, sondern für seine tätigkeit als nahost korrespondent des schweizer fernsehens.
die bischöfe begründen ihre wahl u.a. so:
Mit der Verleihung des Medienpreises werde die «unparteiische und mutige Berichterstattung» Martys gewürdigt … Marty zögere nicht, sich zu exponieren, wenn es seine Tätigkeit als Journalist erheische.
das kann man so sagen.
auch den bischöfen dürfte jedoch nicht entgangen sein, dass sich andré vor allem auch in seinem blog exponiert.
hier die ganze sda meldung:
Bern (sda) Der Katholische Medienpreis 2009 geht an den Schweizer Fernsehjournalisten André Marty. Mit dem Preis zeichnet die Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) die Arbeit des Korrespondenten des Schweizer Fernsehens SF aus, der von Israel aus über das Geschehen im Nahen Osten berichtet.
Mit der Verleihung des Medienpreises werde die «unparteiische und mutige Berichterstattung» Martys gewürdigt, heisst es in einer SBK-Mitteilung vom Donnerstag. Marty zögere nicht, sich zu exponieren, wenn es seine Tätigkeit als Journalist erheische.
«Er versteht es ausgezeichnet, über das politische Geschehen und über die Situation der Religionsgemeinschaften im Nahen Osten zu berichten.» In den Beiträgen Martys spiegle sich die Vielschichtigkeit der Probleme des Zusammenlebens der Völker und Religionsgemeinschaften im Heiligen Land und die Bedeutung der Präsenz der christlichen Minderheit «als Sinnbild für die Hoffnung des Evangeliums auf Frieden für alle Menschen».
Marty wird den Medienpreis am 30. November in Luzern in der Hofkirche aus den Händen des Medienbischofs Dr. Peter Henrici entgegennehmen.
ich gratuliere andré herzlich zu dieser auszeichnung.
3. November 2009
damen, amen

das schweizer zentralorgan für die modern getunte frau, die annabelle, hat eine neue website gelauntscht. zu diesem anlass hat man sich ein extraordinäres give away einfallen lassen: den annabelle frauen-browser.
an fraunendisco, frauenboxen und frauen als fussballmoderatorinnen hatten wir uns ja schon fast gewöhnt. aber auf einen frauenbrowser waren wir nicht gefasst. eine ganz neue dimension der emanzipation 2.0 ist da am anrollen.
bald wirds bei itunes die ersten frauen-app's geben (the next shoe shop). bei tomtom ein frauen-navi (empfiehlt nur breite strassen). bei amazon einen frauen-kindle (zeigt nur kurze sätze).
dass ich das noch erleben darf.
2. November 2009
es gibt nichts, was es nicht gibt: fliegenflieger

vor ein paar wochen hab ich aus jux diese bastelanleitung ins blog gestellt.
und jetzt das:
merke: es gibt nichts, was es nicht gibt.
via @eichbornverlag
jenny holzer

die konzeptkünstlerin jenny holzer beeindruckt mich seit langer zeit. sie hat einen faszinierenden weg gefunden, sprache ins zentrum ihres schaffens zu stellen. seit den 80ern macht sie mit ihren "truisms" (oben) und installationen furore.
aus anlass ihrer ausstellung im musem beyeler (bis 24.1.2010) hat sf.tv eine wunderbare dokumentation über die künstlerin gezeigt. wer sich für sprache und kommunikation interessiert – gucken.
1. November 2009
und jetzt sowas

interlaken ehrt seine beiden musiker hanery ammann und polo hofer, den vätern des schweizer mundartrocks, mit einem nach ihnen benannten platz: ammann-hofer-platz.
nicht am stadtrand, sondern mitten im zentrum. nein, die beiden musiker sind noch nicht tot, sie durften "ihren" platz auch gleich selbst mit einem grossen volksfest einweihen – toute interlaken war auf den beinen.
ein ein- und erstmaliger vorgang, vielleicht sogar weltweit. zeitgenössischen musikern werden ja heute eher selten ganze plätze an bester citylage zugedacht. schon gar nicht an rockmusiker. und erst noch lebende. – hut ab, interlaken.
polo hofer hatte zu diesem grossen ereignis den richtigen satz parat:
30. Oktober 2009
schönes remake vom lauf der dinge
wunderbar gemacht, dieses remake von fischli weiss' grandiosem klassiker lauf der dinge (hier gucken: 1, 2, 3) aus dem jahr 1987.
via infamy
22. Oktober 2009
19. Oktober 2009
das lächeln des svp-taliban mörgeli

die svp-nahe minarettinitiative lässt in einem onlinegame muezzine "stoppen". das ist ein neuer höhepunkt in der fortschreitenden rassistischen radikalisierung der svp-propaganda.
die widerliche fratze dazu liefert chefdemagoge mörgeli hier. sein fieses lächeln setzt er immer dann auf, wenn er jemandem mit schwerem geschütz an den karren fährt. das ist ein alter rhetorischer trick, nur scheint er bei mögeli fix ins gesicht gemeisselt zu sein. genau wie der bart bei den taliban.
es ist unnatürlich, jemanden permanent anzulächeln, während man ihn in den senkel stellt. es ist ein fieses lächeln und läuft auf eine verhöhnung des gegenübers heraus. köppel tut das auch gerne, blocher auch, – mit einer geradezu satanischen note kriegt es blochers bruder hin.
schon der name der website, minarett-attack, ist rassistisch. würde jemand ein online game machen, in dem man zettelchen aus der gebetsmauer "auslöschen" kann und dieses spiel gebetsmauer-attack nennen, so würde das flugs und zu recht mit dem antirassismusgesetz geahndet. hier passiert nichts.
im gegenteil: es steht eine ganze volkspartei mit einem wähleranteil von gegen 30% dahinter. mit anderen worten: 30% der schweizer lassen ihre parteibosse ungezügelt die rassistensau durchs land treiben.
beängstigend irgendwie.
gewisse exponenten der svp meinen, das widerliche game herunterspielen zu können mit der aussage, es werde ja gar nicht auf die muezzine geschossen, sie würden nur gestoppt. das ist typisch für die scheinheilige und abscheuliche kriegsrhetorik der svp. ich habe mir das spiel angeschaut. sie haben recht, es wird nicht direkt geschossen. was den fall aber nicht weniger schlimm macht. der name und das logo des spiels sagen genug über die gesinnung dahinter: faschismus. kein deut besser als jener der taliban, nur einfach den hiesigen umständen und befindlichkeiten angepasst. eine art kalaschninet.
erschreckend, oder?
16. Oktober 2009
bizarr: medien vs. vbs

diese geschichte ist typisch für das bedenkliche selbstverständnis der medienbranche:
das schweizer verteidigungsministerium vbs schaltet eine website auf, auf der diverse zeitungsartikel "richtiggestellt" werden. worauf die medienmacher aufjaulen was das zeug hält.
von pranger ist die rede. der staat würde zensuren verteilen. mit steuergeldern notabene. diese vbs-webseite würde die pressefreiheit nicht respektieren, sagt sonntagszeitung chefredaktor andreas durisch. wie bitte?
die mediengewerkschaft impressum ist so düpiert, dass sie sich und uns am liebsten ins letzte jahrtausend zurückbeamen würde:
«Eine Behörde wie das VBS, die über eine grosse Presseabteilung verfügt, kann doch aber einen Leserbrief schreiben oder wenn etwas falsch ist, eine Gegendarstellung verlangen»
das statement von impressum chef dütschler muss man also zwischen den zeilen lesen: "es sollen bitte alle so tun, als gäbe es das internet nicht."
mit anderen worten: sie haben gar nichts begriffen, die medienfritzen. zuerst fahren ihnen die blogger an den karren und jetzt auch noch das vbs. schrecklich. so schrecklich, dass tagesanzeiger/newsnetz nicht mal auf die betreffende vbs-seite verlinkt.
solcherart wehleidigkeit kennt man auch im privaten bereich. wer gerne und oft austeilt, kann meistens schlecht einstecken. dieser wesenszug ist ergo bei medienleuten besonders weit verbreitet resp. ausgeprägt. aber er vertägt sich so gar nicht mit der neuen zeit und ihrem neuen medium, dem internet.
dort funktioniert es so: im internet können ALLE ihre meinung sagen – unbedeutende winzblogger wie ich und auch das (etwas bedeutendere) schweizer verteidigungsministerium. nahezu alle können ihre gegendarstellung eigenständig publizieren. ob man leser findet, ist eine andere frage. aber das ist nun mal das wesen des internet: das publikationsmonopol der journalisten ist passée.
die journalisten nehmen zu recht für sich in anspruch, schreiben zu können, was sie wollen, gestehen aber genau diese freiheit anderen playern, in diesem fall dem vbs, nicht zu.
wie bizarr ist das denn?
14. Oktober 2009
erweiterte realität, bald
wer sich heute über google street view ärgert, sollte sich mal ansehen, was da in absehbarer zeit auf unseren handys geboten werden wird.
siehe auch erweiterte realität/wikipedia.
via archispass
13. Oktober 2009
freakshow: köppel mit palästinensertuch
roger köppel, eigner und chefredaktor der weltwoche, tritt in seinem neuesten videokommentar mit einem palästinensertuch auf. dies ausgerechnet in der ausgabe, in der er in die debatte um das antiminarettplakat eingreift.
was er uns damit sagen will – mit dem palituch – bleibt ein rätsel.
genausogut könnte er am ende die frage stellen: wo geht's hier zum panamakanal?
via infamy
